
Was ist Longieren und was bringt es?
Longieren ist eine Trainingsmethode, bei der du dein Pferd an einer etwa acht Meter langen Leine mit Abstand um dich herum führst. Es dient der gymnastischen Arbeit, dem Muskelaufbau, der Balance und der Konzentration.
Klingt trocken, ist es aber nicht. Denn der ganze Unterschied steckt in einem Wort: dirigieren. Es geht nicht darum, dass dein Pferd im Kreis rennt. Es geht darum, dass du in jedem Moment beeinflussen kannst, WIE es das tut.
Ich bin Jeannine Licht und unterrichte im Reitkunstzentrum Südbaden in Bad Bellingen klassische Reitkunst. Bei mir lernst du mit ganz einfachen Übungen, dein Pferd effektiv und alltagstauglich aufzubauen.
Warum viele Pferde trotz Longieren nicht aufmuskeln
Bleib lieber kleiner und näher dran. Das ist die kürzeste Antwort, die ich geben kann, und sie ist der Grund, warum so viel Longen-Training nichts bringt.
Kleine Figuren schulen dein Pferd und bauen Kraft auf. Dass ein wildes Rennen nichts bringt, weiß jeder. Dass der große Zirkel auch nichts bringt, wissen die wenigsten. Arbeite klein und langsam, auf der Volte und weg von der Bande. Geh erst dann in die nächste Gangart, wenn es wirklich sitzt, und werde langsam größer, ohne die feinen Signale zu verlieren.
Wird es dir und deinem Pferd zu einfach? Dann bau Rückwärts ein, Handwechsel über die Acht, Schulterherein und Travers. Aber auch da gilt: kleiner, näher, Erfolg durch kleine Schritte.
Equipment: brauchst du wirklich einen Kappzaum?
Nein. Und ich weiß, dass alle anderen das Gegenteil predigen.
Kappzaum oder Halfter
Der Kappzaum ist für viele der heilige Gral. Manche tun so, als würde ein Pferd krank, sobald man mit etwas anderem longiert. Das stimmt nicht. Ich trainiere die meisten Pferde am ganz normalen Halfter, gymnastizierend und effektiv. Nicht das Equipment macht dein Pferd gesund, sondern der Mensch, der die Longe in der Hand hält.
Dazu kommt ein praktisches Problem: viele Kappzäume müssen eng verschnallt werden. Damit verhinderst du das Abkauen, und das macht dein Pferd im ganzen Körper fest. Sitzt er locker, rutscht er am Kopf herum und wirkt wie ein Halfter. Dann kannst du gleich zum Halfter greifen und dir Zeit und Geld sparen.
Longe, Zügel und Peitsche
Die Regel ist einfach: je feiner und leichter die Ausrüstung, desto feiner kannst du mit deinem Pferd kommunizieren. Ich longiere meist an einem einfachen Stallhalfter, nehme Zügel, weil die kurz und leicht sind, und eine kurze Fahrpeitsche. Fertig.
Ein guter Mensch am Halfter ist mehr wert als ein schlechter mit einem 300-Euro-Kappzaum. Lass dich von der Ausrüstung nicht davon abhalten anzufangen. Nimm, was da ist, und leg los.
Was dein Pferd vorher verstehen muss
Damit dein Pferd auf Abstand ansprechbar bleibt und selbstsicher auf dem Kreis balanciert, muss es vorher ein paar Dinge verstehen. Und zwar nicht am Ende der Longe, sondern direkt bei dir, aus der Nähe:
- Es muss am Kopf beeinflussbar sein. Das ist erstmal reine Sicherheit.
- Es muss deine Körpersprache lesen, damit du Hinterhand und Schultern gezielt dirigieren kannst.
- Es muss die Gertensprache verstehen, also weichen und treiben.
- Und es muss auf deine Stimme reagieren, damit du das Tempo beeinflussen kannst.
Erst wenn das aus der Nähe sitzt, macht Abstand überhaupt Sinn. Alles andere ist Hoffnung, keine Kommunikation.
Die Hilfen: von fein nach deutlich
Meine Reihenfolge geht immer von fein nach deutlich. Je feiner du oben anfängst, desto weniger brauchst du am Ende.
- Das innere Bild: deine unbewussten Signale, deine eigene Körperspannung.
- Die Stimme: für vieles das Beste, weil sie als Einzige nicht körperlich stört.
- Die Körpersprache: eindrehen, weichen, auf das Pferd zugehen.
- Die Gertensprache: weichen oder treiben.
- Und erst ganz zum Schluss die Longe, die vor allem eines tut: nachgeben.
Häufige Probleme beim Longieren
Weil nicht immer alles glatt läuft, auch bei mir nicht: die Klassiker sind, dass das Pferd nach innen drängelt, dass es nicht in der Biegung bleibt, dass der Abstand nicht passt oder dass es sich den Hilfen entzieht und einfach wie ein Motorrad im Kreis läuft.
Fast alles davon löst sich mit derselben Regel. Bleib kleiner und näher dran, und zwar so nah, dass du dein Pferd jederzeit klar mit der Gerte berühren kannst, ohne deine Körperposition zu ändern. Leg den Fokus auf Schönheit und Harmonie, nicht auf Tempo.
Die Doppellonge
Wenn die einfache Longe sitzt, wird es richtig spannend. Die Doppellonge ist mein liebstes Werkzeug, und ich verstehe bis heute nicht, warum so wenige Trainer sie nutzen und noch weniger sie unterrichten.
Was die Doppellonge kann, was die einfache Longe nicht kann
Sie ist die einzige Methode, mit der du deinem Pferd wirklich viele Reiterhilfen erklären kannst, ohne dein Gewicht auf seinem Rücken zu haben und ohne nebenherzurennen. Du kannst Zügelhilfen erklären, diagonal einwirken, dein Pferd einrahmen und die Nachgiebigkeit schulen.
Ich habe Pferde erlebt, die wochenlang am Boden vorbereitet wurden. Dann kam zweimal die Doppellonge dran, und der Trab war stabiler. Vor allem aber verstand das Pferd endlich den äußeren Zügel und konnte sich viel einfacher ausbalancieren. Genau das braucht es, um Reitergewicht gesund zu tragen.
Gibt es die richtige Verschnallung?
Kurze Antwort: nein. Du kannst direkt oder indirekt verschnallen, hoch oder tief, hinten herum oder über den Rücken. Es gibt nicht die eine richtige Verschnallung, sondern nur die, die deinem Pferd gerade hilft. In diesem einen Satz steckt meine ganze Haltung: nicht nach Schema F, sondern nach dem Pferd, das vor dir steht.
Für den Einstieg nimmst du die einfachste Verschnallung. Dann übst du das Handling erstmal nur über die innere Longe, und erst danach nimmst du den äußeren Zügel dazu.
Die Physik der Leinen
Ein Punkt, der oft übersehen wird: achte auf die Winkel deiner Leinen. Steile Winkel erzeugen eine Flaschenzugwirkung, und ein Flaschenzug am Kopf oder im Maul deines Pferdes ist genau das, was wir nicht wollen. Was auf manchen Bildern spektakulär aussieht, ist für das Pferd oft schlicht unangenehm. Schau weniger auf die Optik und mehr auf die Mechanik.
Wann ist dein Pferd bereit für die Doppellonge?
Wenn es keine Angst vor Leinen am Hintern hat, sich nicht losreißt oder buckelt, erste Zügelhilfen versteht und mindestens im Schritt und Trab sauber longierbar ist. Trau dich ruhig: die Doppellonge ist nicht viel schwieriger als die normale Longe. Du musst nur mehr auf Sicherheit achten und auf dein Gefühl für die Leinen.
Häufige Fragen
Wie longiert man ein Pferd richtig?
Richtig longieren heißt dirigieren statt im Kreis schicken. Arbeite auf kleinen Figuren und nah an deinem Pferd, variiere Tempo und Figuren und nutze deine Hilfen von fein nach deutlich. Kleine Zirkel und langsames Tempo bauen Kraft auf, große Runden im Tempo nicht.
Brauche ich zum Longieren einen Kappzaum?
Nein. Ich longiere die meisten Pferde am ganz normalen Stallhalfter. Enge Kappzäume verhindern das Abkauen und machen das Pferd im ganzen Körper fest, locker verschnallt rutschen sie und wirken wie ein Halfter. Nicht das Equipment macht dein Pferd gesund, sondern der Mensch an der Longe.
Warum muskelt mein Pferd trotz Longieren nicht auf?
Meistens, weil der Zirkel zu groß und das Tempo zu hoch ist. Muskeln entstehen auf kleinen Figuren im langsamen Tempo, weil das Pferd dort tatsächlich tragen und ausbalancieren muss. Bleib kleiner und näher dran.
Wie groß soll der Zirkel beim Longieren sein?
Kleiner, als du denkst. Arbeite auf der Volte und dem kleinen Zirkel, weg von der Bande, und so nah, dass du dein Pferd jederzeit mit der Gerte berühren kannst, ohne deine Position zu verändern.
Was ist eine Doppellonge und wofür braucht man sie?
Bei der Doppellonge führen zwei Leinen zum Pferd, sodass du auch von außen einwirken kannst. Sie ist die einzige Methode, mit der du viele Reiterhilfen erklären kannst, ohne dein Gewicht auf dem Rücken deines Pferdes zu haben. Vor allem lernt dein Pferd damit den äußeren Zügel zu verstehen.
Wie verschnallt man die Doppellonge richtig?
Es gibt nicht die eine richtige Verschnallung, sondern nur die, die deinem Pferd gerade hilft. Fang mit der einfachsten an und übe zuerst nur über die innere Longe. Wichtig ist der Winkel der Leinen: steile Winkel erzeugen eine Flaschenzugwirkung am Kopf, und die willst du nicht.
Longieren lernen im Reitkunstzentrum Südbaden
Die ausführliche Fassung mit dem Bild vom Bus und den Übungen dazu steht in meinem Blogbeitrag Longieren, warum dein Pferd trotzdem nicht aufmuskelt.
Vor Ort in Bad Bellingen arbeiten wir an der Longe im Unterricht, in Kursen und im Beritt, erreichbar aus Müllheim, Lörrach, Freiburg und dem Raum Basel. Von Ende August bis Anfang Dezember 2026 bin ich in Babypause, in dieser Zeit finden keine Kurse statt. Die Onlinekurse laufen weiter, und die nächsten Termine stehen im Kalender.